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Grundlagen der Kunst

Was ist abstrakte Kunst? Alles, was Sie wissen müssen

Abstrakte Kunst ist Kunst, die keine präzise Darstellung der optischen Realität repräsentiert. Die Kommunikation erfolgt stattdessen über Linien, Formen, Farben, Strukturen und Striche. Abstrakte Künstler bedienen sich einer Reihe von Techniken und vermischen dabei traditionelle Mittel mit experimentelleren Ideen.

Von Rise Art

In diesem Kunst-Guide stellen wir Ihnen die wesentlichen Merkmale der abstrakten Kunst vor und beantworten vier der am häufigsten gestellten Fragen zu dieser Kunstrichtung. Wenn Sie abstrakte Kunst kaufen möchten, empfehlen wir Ihnen einen Blick auf diese Seiten.

Jackson Pollock beschrieb die abstrakte Kunst als „sichtbar gemachte Energie und Bewegung“. Er erfasste, wie diese Kunstform einen Teil seiner Psyche befreite, die zuvor keine Stimme besaß. Man erwartete keine getreue Nachbildung der Umwelt mehr. Stattdessen erhielten abstrakte Künstler die Freiheit, Kunst in erster Linie ohne Selbstzensur bzw. „aus dem Bauch heraus“ zu erschaffen.

 

Wann hat sich die abstrakte Kunst entwickelt?

Der Ursprung der abstrakten Kunst wird schon lange diskutiert. Im Allgemeinen wird Wassily Kandinsky als Wegbereiter der abstrakten Kunst angesehen. Ein berühmtes Zitat von ihm lautet: „Damals hat noch kein einziger Maler abstrakt gemalt.“Sein erstes abstraktes Gemälde, das die abstrakte Kunst in den Fokus der Öffentlichkeit rückte, war „Komposition V“, das 1911 entstand.

Man geht jedoch davon aus, dass die weniger bekannte schwedische Malerin Hilma af Klint noch vor Kandinsky, fünf Jahre zuvor im Jahr 1906, in Stockholm das erste abstrakte Gemälde gemalt hat. Ihre futuristischen Bilder mit den biomorphen (an die Natur erinnernden) und geometrischen Formen auf plakativem Hintergrund waren für die damalige Zeit radikal.

Während Kandinsky Zeit seines Lebens als Maler erfolgreich war, wurden Klints Werke aufgrund ihrer öffentlichkeitsscheuen Persönlichkeit erst viel später anerkannt. Sie ließ ihre Gemälde in nur wenigen Ausstellungen zeigen und behielt sie weitestgehend für sich. Ihrer Überzeugung nach war die Welt noch nicht bereit für ihre Vision. Sie nahm ihrer Familie das Versprechen ab, dass ihre Bilder erst 20 Jahre nach ihrem Tod veröffentlicht werden dürfen. Daher blieben ihre Werke relativ unbekannt, bis man 1986 allmählich ernsthaft auf sie aufmerksam wurde. 

 

Towards Harrow At Sunset 1821 von Philip Maltman

 

Wie hat sich die abstrakte Kunst weiterentwickelt?

Nach den Anfängen zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich die abstrakte Kunst durch das Experimentieren mit diesem Stil durch verschiedene Künstler weiterentwickelt. Die geometrischen Elemente von Piet Mondrian brachten ihm den Ruf als einer der Pioniere der abstrakten Kunst des 20. Jahrhunderts ein. Jackson Pollock war bekannt dafür, Farbe auf eine liegende Leinwand zu gießen oder zu tropfen. So konnte er auch über Kopf malen und sein Werk von allen Winkeln aus betrachten. Der surrealistische Automatismus – eine Technik, bei der die bewusste Kontrolle unterdrückt und dem Unbewussten nahezu freien Lauf gelassen wird – wurde von Cy Twombly in seinen fieberhaften, emotionsgeladenen Bildern wieder aufgegriffen. 

So entwickelt sich die abstrakte Kunst auch heute noch weiter. In den Porträts von Lee Ellis vermitteln Flächen und Tiefen die innere Unruhe seiner Motive; die Koloristin Barbara Krupp spielt mit markanten Formen; Nick Malone erkundet die Grenzen zwischen Abstraktion und Realismus und lädt den Blick des Betrachters ein, über eine Topologie von Strichen, Wörtern und Texturen zu schweifen.

 

 Big old clap clap von Lee Ellis

 

Was ist abstrakter Expressionismus? 

Der abstrakte Expressionismus ist eine Strömung innerhalb einer Strömung. Sie gilt als zweite Welle der abstrakten Kunst, die in den 1940er Jahren aufkam und ihren Mittelpunkt in New York hatte. Diese Bewegung war stark vom Surrealismus geprägt und die erste amerikanische Kunstrichtung, die internationalen Einfluss erlangte, unter anderem durch Künstler wie Jackson Pollock, Mark Rothko und Willem de Kooning. Dem Stil wurde schnell ein anarchischer und nihilistischer Ruf zugeordnet: energiegeladen und voller Intensität. Der Maler Jay Meuser beschrieb die Abwesenheit von Regeln im abstrakten Expressionismus folgendermaßen: „Es ist deutlich besser, den prachtvollen Geist des Ozeans einzufangen, als jede einzelne kleine Welle zu malen.“

Matthew Dibble ist ein zeitgenössischer Künstler, der sich in die Kategorie des abstrakten Expressionismus einordnen lässt. Nachdem er jahrzehntelang in der Baubranche tätig war, bringt er einen gefestigten Sinn für Formen und Struktur in seine neue Berufung als Künstler. In Dutch tanzen schwarze und graue Striche lebhaft über die Leinwand. Das Bild wirkt dynamisch und rebellisch, als hätte man die Silhouetten entfesselt – endlich befreit von zuvor erdrückenden Strukturen. Rabid Shakespeare hingegen mischt Formhaftigkeit und Formlosigkeit mit drängelnden, überladenen und energetischen Pinselstrichen, die durch kraftvolle, klare Linien beruhigt und eingekerbt werden.

 

Dutch von Matthew Dibble

 

Was ist abstrakte Fotografie?

In der abstrakten Fotografie nimmt der Fotograf die Ästhetik und Techniken der abstrakten Kunst auf und repliziert sie in der Fotografie. Diese Fotografen erschaffen mittels einer Kombination aus Alltagsgegenständen, Szenen und fotografischen Techniken Bilder, die anderen Formen der abstraken Kunst entsprechen.

Fotografen und Fotografinnen wie Barbara Crane, die 2019 verstarb, nutzten extreme Nahaufnahmen, übertriebene Schatten und Überbelichtung, um damit eine experimentelle Optik zu erzeugen, die traditionelle Stadtbilder verzerrte. In ihrer Loop-Serie verwandelte sie Wolkenkratzer und Wohnblocks in kontrastreiche, geometrisch abstrakte Bilder. „Auch wenn ich vergangene Erfahrungen als Grundlage nutze, versuche ich alte Seh- und Denkgewohnheiten abzulegen“, so die Künstlerin im Jahr 2002. „Ich suche immer wieder nach etwas, das für mich visuell neu ist. Gleichzeitig hoffe ich, dass es zu einer Verschmelzung von Form und Inhalt kommt.“

Wie Crane setzt Kimberly Poppe auch ihre Kamera ein, um neue Blickwinkel zu eröffnen. Ihre Landschaften erinnern eher an die Gemälde von Rothko und nicht an das abgelichtete Ozeanpanorama. Der amerikanische abstrakte Expressionist ist einer ihrer wichtigsten Einflüsse. In Into The Blue kennzeichnen zwei markante gelbe Linien den Horizont vor einem multitonalen blauen Hintergrund und in Remains of the Day trifft die ruhige, graue See auf eine verschwommene Himmelslinie. In The Bridge wird dieser Horizont von verzerrten Neonlichtern in der Ferne unterbrochen.

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Weiterführende Literatur

 

 

 

 

 

 

 

 

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