Den Moment einzufangen, der fast unbemerkt vorüberzieht, das ist die Kunst von Bianca MacCall. In Gemälden voller Wärme und Humor hält die britische Künstlerin den Alltag mit einer Vertrautheit fest, die rasch ins Befremdliche kippt.
Ein Alltag am Rande des Traums
Die Szenen, die Bianca MacCall malt, stammen aus realen, auf den ersten Blick wiedererkennbaren Orten. Doch stets sticht ein Detail hervor, ein falsch platzierter Plastikstuhl, eine Reihe identischer Pints, eine überraschend zarte Geste bei einem Mann von harter Erscheinung. Diese kleine Verschiebung genügt, um das Gewöhnliche ins Traumhafte kippen zu lassen, wie eine halb vergessene Erinnerung.
Ob der Blick von der Straße, aus einem Zugfenster oder durch eine Windschutzscheibe fällt, stets durchquert der Betrachter seine Umgebung und wird von den stillen Spuren des Stadtlebens eingefangen. Mit ihrer neuen Serie While It's Nice Out widmet sich die Künstlerin den Ritualen des britischen Sommers, von Momenten der Muße bis zum eigentümlichen Schauspiel des öffentlichen Lebens, festgehalten mit Humor und Nostalgie. Im Interview sprach sie darüber und blickt mit einem dezidiert dokumentarischen Auge auf die Eigenheiten der Jahreszeit. „Die besten Momente haben etwas Surreales oder Schräges an sich", sagt die Künstlerin. „Sie sind vertraut, aber gerade beunruhigend genug, um zweimal hinzuschauen."
Ausbildung und Anerkennung
Bianca MacCall schloss 2015 ihr Studium an der Arts University Bournemouth mit einem Bachelor in Illustration ab und machte rasch mit mehreren Auszeichnungen auf sich aufmerksam. Sie gewann 2016 den Under 25's Ironstone Art Prize, 2017 den Bath Society of Artists Under 25's Prize und 2019 den Alan Cassé Print Prize. Ihre Werke befinden sich heute in Privatsammlungen in Großbritannien, Paris und Hongkong.